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Katharina Hölz

Im Wein liegt die Nachhaltigkeit

Für Katharina Hölz steckt im Wein mehr als die Wahrheit: Für ihren Master an der Hochschule Trier entwickelte sie Produkte aus Trester, Bienen- und Carnaubawachs und erweckte diese mittels 3D-Druck zum Leben. Wir sprachen mit der Newcomerin …

Was gab für Sie den Antrieb, besonders nachhaltige Produkte für Ihre Masterarbeit zu entwickeln?

Mein Antrieb war es, aus dem Vorhandenen zu schöpfen. Man braucht keine neuen synthetischen Materialien – die eigene Umgebung gibt genug her. Außerdem finde ich, Design und Nachhaltigkeit gehören zusammen. Im »Design« steckt das »sign«, das Zeichen. Und gutes Design setzt Zeichen. Es lenkt die Aufmerksamkeit auf Aspekte, die vorher unbeachtet waren, zum Beispiel den Ressourceneinsatz. Denn nachhaltiges Design beginnt beim Material. Aus regionalen Abfallstoffen der Natur lassen sich hochwertige Produkte entwickeln – das wollte ich mit meiner Masterarbeit beweisen.

Katharina Hölz

 

Und was führte dann zu der Idee, gerade auf der Grundlage von Trester Produkte zu kreieren? Haben Sie einen persönlichen Bezug zum Weinanbau?

Ich bin keine Winzertochter und war auch nie Weinkönigin. Aber wenn man in der Moselregion aufwächst, kommt man ständig mit Wein in Berührung. Was ich nicht wusste: Wie viel Traubenabfall bei der Weinherstellung entsteht. Bei meiner Recherche fand ich heraus, dass allein in Deutschland jedes Jahr 200.000 Tonnen Trester anfallen. Und eigentlich wissen die Winzer nicht wohin mit den Stielen, Schalen, Fruchtresten und Kernen. Da kam mir die Idee, diese brachliegende Biomasse als Werkstoff zu nutzen.

 

Letztlich entstanden vier Kompositmaterialien – Trester-Bienenwachs, Trester-Pulpe, Trester-Carnaubawachs sowie ein Trester-Biokunststoff. Welche Vorzüge haben diese jeweils?

Trester-Bienenwachs spricht alle Sinne an. Diese Verbindung riecht angenehm, fühlt sich glatt und weich an und erzeugt Atmosphäre. Außerdem ist sie hervorragend geeignet, um dickwandige, robuste Pressobjekte herzustellen. Bei Accessoires, wie dem Weinkühler Kühlgewæchs und der Lampe Lichtgewächs, kann dieses Kompositmaterial seine Stärken optimal zur Geltung bringen.
Für dünnere Wandstärken, die trotzdem formstabil sein sollen, ist Pulpe ein geeignetes Bindemittel. Bruchtests zeigten, dass mit dem Tresteranteil die Stabilität steigt. Das ist wichtig für schützende Verpackungen. Das Material lässt sich übrigens wie Holz verarbeiten, also auch schneiden, feilen und fräsen.
Wandkacheln stellen besondere Anforderungen an Belastbarkeit und Alltagstauglichkeit. Hier ist ein Werkstoff mit Nehmerqualitäten gefragt. Carnaubawachs ist für solche Einsatzzwecke wie geschaffen. Es gilt als das härteste natürliche Wachs, ist grifffest, nach Aushärtung nur schwer verformbar und hält selbst Sonnenstrahlen stand. Zudem ist es – bei Wandkacheln kein unwichtiges Argument – geruchsneutral.

Katharina Hölz

 

Welche Rolle spielte der 3D-Druck? Der war bislang ja nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet …

Richtig, im 3D-Druck wird überwiegend Plastik verarbeitet. Hier wollte ich zeigen, dass die Kombination aus Trester und Biokunststoff eine ökologische Alternative sein kann. In Zusammenarbeit mit dem IKV Aachen entwickelte ich ein Material, das extrudierbar ist. Solch ein Druckstoff kann zum Beispiel für die Herstellung individueller Urnen genutzt werden. Diese sind biologisch abbaubar. Dadurch sind sie vollständig in den Kreislauf des Lebens eingebunden und versinnbildlichen das Prinzip »From the Cradle to the Grave«.

Katharina Hölz

 

Wie sind Sie an die Entwicklung dieser Bestandteile herangegangen, und hat die Herstellung jeweils auf Anhieb geklappt?

Es war ein klassischer Fall von Versuch und Irrtum. Ich führte zahllose Experimente im häuslichen Keller durch, bis eine Verbindung mal nicht verbrannte, verschimmelte oder zerbröselte. Danach steckte der Teufel im Detail: Ich musste herausfinden, welche Verbindung für welche Verarbeitungsmethoden und Einsatzzwecke am besten geeignet ist. Aber dieses Ausprobieren hat Spaß gemacht, erst recht, wenn es am Ende schließlich doch gelang.

Katharina Hölz

 

Die entstandenen Produkte und Verpackungen sind sehr ästhetisch – hat die Industrie schon Interesse an Ihrer Arbeit »tresta« gezeigt?

Bisher noch nicht. Der Masterabschluss liegt aber auch erst einige Wochen zurück. Produkte wie der Weinkühler, die Lampe oder die Wandkacheln sorgen sicher nicht nur in Weinstuben für Atmosphäre, sondern auch zuhause. Ich glaube, es gibt für solche Designobjekte einen Markt.

Wir drücken die Daumen!